Rezension - Mitternachtsschwimmer

Die Kinder sausten am Strand lang, kletterten, buddelten, planschten, ignorierten ihn, riefen den Hund, der sie seinerseits ignorierte, und auf einmal war der stille Ort mit Leben erfüllt, Hektik, Zeter und Mordio, wo sich zuvor nichts bewegt hatte außer dem filigranen Spülsaum.

 

A L L G E M E I N E S

Titel: Mitternachtsschwimmer

Autorin: Roisin Maguire [Übersetzerin: Andrea O'Brien]

Verlag: DuMont

Seitenzahl: 352

Erscheinungsdatum: 15.07.2025, erstmals am 15.07.2024

Preis: 14,00€ [TB]

ISBN 978-3-7558-0547-2

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Das Buch wurde mir freundlicherweise vom DuMont Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies beeinflusst jedoch in keinster Weise meine Meinung.


I N H A L T

Ballybrady, ein pittoreskes irisches Dorf zwischen grünen Hügeln und atemberaubender Küste. Hier lebt Grace allein und zurückgezogen und verbringt ihre Tage mit Schwimmen, Quilten und ihrem Hund. Grace ist eine Naturgewalt; ruppig und scharfzüngig, aber mit Zartgefühl kennt sie die Gefahren der stürmischen See ebenso gut wie die Abgründe des menschlichen Herzens. Um Geld zu verdienen, vermietet sie ein Cottage an Touristen. Touristen wie Evan. Nach dem Verlust seiner Tochter hat er keine Ahnung, wie er weiterleben soll. Seine Ehe droht zu zerbrechen, er trinkt zu viel und arbeitet zu wenig. Eine Woche weit weg von allem, dann will er sich wieder als zuverlässiger Gatte, Vater und Geschäftspartner bewähren. Doch er ist erst wenige Tage in Ballybrady, als der Lockdown kommt. Das Leben steht still – und plötzlich gerät etwas in Bewegung. Denn Evan muss sich nicht nur mit sich und seiner Trauer, sondern auch mit Grace und den anderen eigenwilligen Dorfbewohnern auseinandersetzen, und er trifft dabei auf Menschen, die ihm zeigen, was wirklich wichtig ist.

(Quelle: Verlagswebsite)


M E I N E   M E I N U N G

Das Cover ist es, das mir beim Durchblättern der Verlagsvorschau sofort ins Auge gesprungen ist, und mich so auf das Buch aufmerksam gemacht hat. Ich bin ein großer Fan von den Farbkontrasten und der 'Leinwandoptik'.

Der Roman überzeugt durch die Darstellung von Gemeinschaft. Ballybrady ist kein idyllisch verklärtes Dorf, sondern ein Ort voller Eigensinn, Widerständigkeit und doch auch Wärme. Gerade in den Zeiten des erzwungenen Stillstands während des Lockdowns wird deutlich, wie sehr kleine Gesten, Nachbarschaftshilfe und das alltägliche Miteinander tragen können. Dieser Dorfzusammenhalt wirkt nie kitschig, sondern in seiner Brüchigkeit authentisch und dadurch umso berührender. Normalerweise bin ich kein Fan davon, wenn aktuelle Ereignisse wie die Corona-Pandemie in Literatur oder Film mit eingebunden werden. Hier jedoch wurde der Lockdown als Aufhänger der Geschichte benutzt, und die Gemeinschaft des Dorfes konnte noch eindringlicher dargestellt werden.

Besonders eindringlich bleibt mir Luca in Erinnerung, Evans gehörloser Sohn. Er bringt eine stille Lebendigkeit in die Handlung und öffnet Räume für andere Formen der Verständigung:  Blicke, Gesten, gemeinsame Handlungen. Ich habe ihn als unglaublich sympathisch empfunden, fast als Herzensfigur des Romans. Auch die Protagonisten Evan und Grace sind mir ans Herz gewachsen. Beide haben vieles in ihrem Leben erlebt, auf das die meisten Menschen gerne verzichten würden. Daraus ergibt sich jedoch eine Verbindung, die die beiden nicht leugnen können. Die Entwicklung der Beziehung zwischen ihnen wird ganz natürlich erzählt. Es gibt keine unpassenden zu kitschigen Momente, es werden keine voreiligen überladenen Liebeserklärungen vorgetragen. Der Plottwist des Romans trägt dazu bei, Evans und Graces Beziehung zu stärken. Sie halten einander und geben sich gegenseitig Kraft. Kraft, die vor allem Evan benötigt, um eine absolute Ausnahmesituation zu überstehen.

Maguire gelingt es, in ihrem Roman, einen Ort zu beschreiben, an den man sich selbst gerne hinträumen möchte. Das raue Küstenwetter, das Rauschen des Meeres...das Buch ist perfekt für Lesestunden an einem herbstlichen Regentag geeignet. 


F A Z I T

Die Autorin hat mit Mitternachtsschwimmer einen Roman verfasst, der tief ins Herz geht. Ihr gelingt es, die raue irische Küste und das Dorfleben so lebendig einzufangen, dass man sich beim Lesen unmittelbar dorthin versetzt fühlt. Das perfekte Buch für einen verregneten Sonntag im Herbst!

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